Meine private Tracking-App

(27.04.2020) Corona befördert so einiges zu Tage: Gefreutes, Bedenkliches, falsche Aufregungen, kurze Halbwertszeiten vermeintlicher Fakten … Mitten drin das Smartphone. Und längst ist sein Potential noch nicht ausgeschöpft.

Es ist nicht nur hilfreich beim Suchen der nächsten Zug-Verbindung, sondern es liefert all den freundlichen Dienstleistern als Gegenleistung unzählige Informationen über mich, meine Bewegungen, meine Interessen und demnächst vielleicht sogar meine Körpertemperatur zwecks Corona-Diagnose.

Ich will da keine neue Hysterie lostreten. Ich will nur von einer kleinen Beobachtung erzählen, von meiner ganz privaten Tracking-App.

Mein Telefonanbieter Sunrise änderte den Netzwerknamen dienstbeflissen von „Sunrise“ auf „#stayhome“. In Waldenburg hingen während Tagen Plakate mit „Bliibet dehei“. Andernorts wurde man etwas herber mit „Bliib dehei, du Tupel“ empfangen. All das erinnert mich an Lorli, das Strebermädchen aus dem Kasperlitheater No 12a, das alle Rechnungen schon im Voraus wusste.

Nur, die Mahnungen scheinen nicht zu fruchten im Gegenteil: ich habe einen Account bei einer Geocaching-App. Geocaching, das ist die weltweite Schatzsuche per GPS-Koordinaten. Ich vergass bei einem der Fundorte die Benachrichtigungsfunktion weg zu klicken. So bekomme ich immer eine Meldung, wenn jemand an diesem Platz erfolgreich war.

Was nun auffällt, wirklich auffällt: seit Corona und dem „StayHome“-Gezeter wimmelt es nur so von Schatzsuchern. Waren es vorher beim Cache „OberiWeid“ übers Jahr im Schnitt 10 Funde pro Monat, so sind es aktuell 10 pro Woche. Die Leute drängen richtiggehend in die Natur. Das der  Befund meiner privaten Tracking-App.

Sagt das bitte nicht weiter, denn sonst kann uns der Bundesrat nicht mehr loben und dann wird er die Keule der zweiten Welle noch nachdrücklicher schwingen.

„#staycool“ ist leider bereits vergeben und so bleibt halt wieder ein alter Bibelvers: 2. Timotheus 1, 7:  Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern

Pfarrer Hanspeter Schürch