Baugeschichte

Die politischen Wirrnisse und die Streitigkeiten in der Kirchgemeinde Waldenburg/St. Peter führten im Jahre 1833/34 zu einem Kirchenbau in Waldenburg.

Das ehemalige Kornhaus wurde nach den Plänen von Baumeister Begle umgebaut. Ein Kornboden wurde entfernt und die oberen Räumlichkeiten durch Säulen abgestützt. Nebst Schulräumen, Schulstuben und Lehererwohnung erhielt das Gebäude die Räumlichkeiten für eine Kirche, welche der Gemeinde alsdann für die Gottesdienste zur Verwandung stand. Für die Umbaukosten wurden Fr. 8’905.61 genannt, hierzu kamen noch Aufwendungen von 2’000 Franken für die Kirchenorgel.

Weil zu einer Kirche auch ein Turm gehört wurde bereit im Jahre 1841 ein Kirchturm mit Altane und Glockenstuhl erbaut. Ein Geläute mit vier Glocken verkündete fortan die Zeit und rief zur Bessinnung auf. Die Kosten des Geläutes wurden mit 6’500 Franken genannt und diejenigen für den Turm mit 17’000 Franken. Der Landrat des damals noch jungen Kantons Basellandschaft erklärte sich bereit einen Beitrag von 3’000 Franken an die Baukosten auszuweisen, weil die Kirche im Eigentum der Gemeinde Waldenburg verblieb.

Aus fachmännischer Sicht galt die Kirche als hervorragend gelegen, was vor allem durch den Turm zum Ausdruck gebracht wird. Das Kircheninnere ist im reizenden Biedermeierstil gehalten. Die Kirche diente ausgezeichnet für die Gottesdienste, der Schulde für die Mädchensekundarschule sowie für die Arbeitsschule und die Handfertigkeitsunterricht und dem Leher als Wohnung.

Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts war die Kirche mit ihren Nebenräumen noch völlig intakt.

Der Erste Weltkrieg von 1914 – 1918 liess offenbar weitere Absichten über einen Gebäudeunterhalt nicht aufkommen.

Erst im Jahre 1925 wurde die Turmuhr mit Stundenzeiger durch eine solche mit Stunden und Minutenzeiger ersetzt.

Die folgende weltweite Krise und der Zweite Weltkrieg von 1939 – 1945 liessen wiederum grössere Aufgaben in den Hintergrund treten und erst auf einen Beschluss der Einwohnergemeindeversammlugn vom 17. November 1952, welche einen Kredit von 18’000 Franken bewilligte, konnte eine Renovation des Kirchturmes an die Hand genommen werden. Das Gebälk im Turm, die Uhrdächer und deren Blechverkleidungen wurden ersetzt. Auch wurden die Quadersteine am Turm behandelt. Die Turmrenovation konnte im Juli 1953 abgeschlossen werden und kostete Fr. 16’847.35. Die Zinkschindeln um Turmdach waren noch intakt und der Turm von eindringendem Regenwasser geschützt.

Der äussere und der innere bauliche Zustand der Kirche bedingten aber weitere bauliche Unterhaltsarbeiten, worauf eine Einwohnergemeindeversammlung vom 19. Dezember 1955 einen Renovationskredit von Franken 215’000 bewilligte. Eine 7gliederige Baukommission mit Architekt W. Arnold, Liestal, behandelte die Renovationsfragen. Die Aussen- und Innenrenovation der Kirche konnte im Monat März 1957 abgeschlossen werden. Die Einweihung der Kirche erfolgte am 7. April 1957 an welchem Anlasse Regierungsrat Dr. E. Boerlin, Kirchendirektor des Kantons BL, feststellte, dass die Gemeinde Waldenburg eine wirklich heimelige und schöne Kirche erhalten habe, welche mit der ausgezeichneten Orgel als Ort der Erbauung und Besinnlichkeit diene.

Die Innengestaltung der Kirche von 1956/1957 war grundsätzlicher Art, indem die Säulen entfernt und die Decke mit Holztöfer höher verlegt wurde. Die Empore mit freier Bestuhlung fand über dem Haupteingang Platz und die Orgel wurde als Blickpunkt im Kirchenschiff erbaut. Ein neuer Plattenboden, neue Bänke und die VOr- und Ausmauerung sämtlicher Mauern waren ebenfalls Bestandteil der Innenrenovation. Der ehrwürdige und mächtige Holzofen wurde duch eine elektrische Fussschemelheizung ersetzt. Auch das Geläute wurde elektrifiziert, so dass die „Läuterbuben“ auf ihren Neujahrbatzen verzichten mussten. Die Kanzel, der Abendmahlstisch, die Fenster und sämtliches Holzwerk wurden ersetzt. Die Kirchenfenster gestaltete Kunstmaler J. Düblin, Oberwil/BL. Die Kosten hiefür wurden von Privatpersonen übernommen. Aussen erhielt die Kirche gesamthaft einen neuen Verputz.

Die Kirchenorgel wurde neu erbaut und kostete Fr. 54’600, welche Aufwendungen im Renovationskredit nicht enthalden waren. Pfr. H. Langenegger (verstorben am 3. April 1980 in Reigoldswil) hatte sich das Ziel gesetzt, der Kirchen zu einer klangvollen Orgel zu verhelfen und die Kosten durch private Spenden aufzubringen. Es ergab sich dann, dass die Uhrenindustrie für diesen Zweck Fr. 20’000 spendete, ein Architekt und Baumeister weitere 6’000 Franken frei machte und ein Industrieller 10’000 Franken beisteuerte und der Restbetrag von Fr. 18’600 durch viele kleine Spenden der Kirchenmitglieder aufgebracht wurde.

Ausserdem erzielte der Frauenverein aus einem Bazar im Jahre 1955 einen Erlös von 15’000 Franken, welcher zweckgebunden zu verwenden war, imdem 2’000 Franken für die Kanzel, 600 Franken für den Abendmahlstisch, 2’650 Franken für die freie Bestuhlung und 9’250 Franken für das Orgelgehäuse zu verwenden war. die reinen Baukosten für die Kirchenrenovation wurden mit Fr. 210’538.05 beziffert und konnten durch eine Darlehensaufnahme abgedeckt werden. Eine Gemeindeversammlung vom 12. Juli 1957 genehmigte die Schlussabrechnung und entliess die eingesetzte Baukommission mit ihrem verdienten Danke.