Aufruf: Ein Zeichen der gesellschaftlichen Verbundenheit setzen

Liebe alle

Die letzten Tage sind geprägt von der Sorge um die Auswirkungen des Coronavirus/COVID-19 und den Massnahmen gegen das Virus, die vom Bund, den Kantonen, der Kantonalkirche und im privaten Umfeld getroffen werden.

Als Gemeinschaft sind wir alle gefordert, die Ausbreitung des Virus zu verzögern und einzudämmen. Wie sich die allgemeine Lage in den nächsten Wochen und Monaten weltweit entwickeln wird und welche gesellschaftlichen Folgen die von der WHO ausgerufenen Pandemie in der Schweiz haben wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt offen.

Viele Gespräche daheim, am Arbeitsplatz und den Schulen sind bestimmt durch die ausserordentliche Herausforderung, die für die meisten von uns neu und schwer einzuschätzen ist. Ganz unterschiedliche Reaktionen auf die angespannte Situation lassen sich wahrnehmen. Sie reichen von einer grossen Verunsicherung, über das Gefühl der Unfreiheit bis zu einer beeindruckenden Gelassenheit.

Ganz deutlich aber wird, dass wir als Gemeinschaft aufeinander angewiesen sind.
Diesen Gemeinschaftssinn zu leben ist nicht nur einfach. Zum einen hat er in unserer überindividualisierten Gesellschaft in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten spürbar abgenommen, zum anderen sind wir ja aufgrund des Virus aufgefordert, direkte soziale Kontakte zu meiden, und auch Zusammenkünfte in grösseren Gruppen werden abgesagt.

Darum möchten wir Sie alle einladen, ein Zeichen für den Gemeinschaftssinn und für unsere solidarische Verbundenheit zu setzen, indem Sie von nun an jeden Abend um 20.00 Uhr für andere sichtbar eine Kerze vor einem Fenster Ihres Zuhauses anzünden.

Vielleicht verbinden Sie das Anzünden der Kerze mit einem Moment der Besinnung oder einem Gebet.
Das Licht der brennenden Kerze erinnert an die ersten Sätze des Johannesevangeliums und das umfassende Leben, das uns allen als Licht in der Finsternis zugesprochen ist. (Johannes 1, 1-5):

Das Licht soll Zeichen sein für unsere Verbundenheit mit durch das Virus Erkrankten, mit Sterbenden, Angehörigen und Menschen, die Angst haben.

Das Licht soll Zeichen sein für unsere Verbundenheit mit dem medizinischen Pflegepersonal, vor allem auch in Spitälern und Altersheimen.

Das Licht soll Zeichen sein für unsere Verbundenheit mit all den Menschen, die im Grossen wie im Kleinen für andere Entscheidungen treffen müssen.

Das Licht soll Zeichen sein des Vertrauens, das wir Kraft, Geduld und Gelassenheit haben, um mit den Herausforderungen einen Umgang zu finden.

Das Licht soll Zeichen sein für unsere Hoffnung für eine gute Zukunft, die im Wunder des Lebens seinen Grund hat.

Ich freue mich, wenn Sie diese Aktion in den kommenden Tagen und Wochen mittragen und besonders auch viele andere dazu einladen, dieses Zeichen der gesellschaftlichen Verbundenheit zu setzen.

Herzlich

Pfarrer Christoph Herrmann, Kirchenratspräsident Kanton BL

Liestal, 13. März 2020